Allgemein

Reibungspunkte zwischen Business Angels und VCs

(Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag auf dem BAND Expertenforum vom 25.09.2014 in Berlin)

Theoretisch könnte alles so schön sein: Gründer benötigen Kapital. Kapitalgeber benötigen Gründer. Kleine Kapitalgeber benötigen größere Kapitalgeber, die in der nächste Wachstumsstufe die Hauptlast der Finanzierung übernehmen. Größere Kapitalgeber benötigen kleinere Kapitalgeber, die eine Firma, vor Erreichung der Investmentkriterien (Proof of Concept, Umsätze, Break-Even, Mindestgröße des Investments etc.) des größeren, finanzieren.

Und der Staffellauf der Investoren hat sehr oft auch noch deutlich mehr als einen Übergabepunkt, so gibt es nicht selten die Kette von Gründer > Friends & Family > Business Angels > Seed-Fonds > Early-Stage-Fonds > Later-Stage-Fonds > Growth-Fonds und / oder noch ergänzende Fremdkapital oder Mezzanin-Investoren.

Trotz theoretischer „alle sitzen in einem Boot“ Situation, knarzt es in der Praxis oft zwischen den verschiedenen Investoren-Kasten, stereotypisch fühlen sich Business Angels oft von den VC-Fonds von oben herab behandelt und wirtschaftlich an die Wand gespielt, und VC-Fonds nicht selten von den Business Angels „genervt“ und zur lästigen klein-klein Diskussion im Gesellschafterkreis verdonnert, wo doch die Zeit viel besser in Richtung großer Exit, Wachstum und Strategien angelegt ist.


(die Slides der Keynote auf dem BANDexpertforum)

Neben „chemischen“ Reibungspunkten gibt es auch wirtschaftliche, strukturelle und juristische. Nicht selten wird ein VC, der neu in eine Firma mit mehreren Business Angels investiert, fordern, dass die Angels „gepoolt“ werden sollen, damit es nur noch einen Ansprechpartner, aber auch am besten nur einen Gesellschaft (statt 3,5,10 etc.) im Cap-Table gibt. Weiterhin werden (Gesellschafter)-Verträge neu gestaltet, Liquidationspräferenzen und Exit-Regeln „pro-VC“ eingeführt. Oftmals führt dies dazu, dass Business Angels, die eben noch „gegen“ die Gründer verhandelt haben, jetzt mit auf der Gründerseite des Verhandlungstisches Platz nehmen, wo sie aber eigentlich auch weiterhin nicht hingehören, da sie als Geldgeber tendenziell dem VC mit seinem Regelungsbedarf viel näher sind, als den Gründern.

Das ist auch schon der wichtigste Aspekt, wie Angels proaktiv ihre Position stärken können: Business Angels sollten sich frühzeitig bewusst werden, dass sie nunmal auch primär (exitorientierte) Investoren und sekundär Coaches für die Gründer sind oder sein sollten. Je mehr Angels also frühzeitig bereits typischen Investoren-Regeln im Firmengefüge implementieren, desto weniger Friktion und Veränderungsbedarf wird es beim Beitritt eines VCs geben, noch dazu viele der Regeln eben auch für Angels wichtig wären, leider nur oft aus falschverstandener „Pragmatik“ unter den Tisch fallen.

Last but not least, kann eine „freiwillige Selbstbeschränkung“ wie so oft im Leben ein stärkeres Eingreifen der „Ordnungsmacht“ verhindern. Gibt es im Unternehmen einen größeren Kreis von Business Angels, organisieren sich die Angels am besten proaktiv untereinander in einer formell ordentlichen Struktur (am besten über ein Special Purpose Vehikel oder eine Treuhand-Lösung) und treten dann dem VC gegenüber auch als stärker – oftmals dann gemeinsam gar nicht prozentual kleinere Kraft – gegenüber.

 

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